Wie Donald Trump die Migration um 90 Prozent senken konnte

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Die Zahl der illegalen Einreisen in die USA ist seit Trumps Amtsantritt eingebrochen – nicht durch Mauern oder mehr Grenzpolizisten, sondern durch eine Politik der Einschüchterung und Razzien.
US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf ein Ende der Migration versprochen – und tatsächlich sind die Zahlen seit seinem Amtsantritt dramatisch gesunken. Offiziell registrierte die US-Grenzbehörde im Juli nur noch 6177 illegale Einreisen, ein Jahr zuvor waren es fast 60.000. Dabei hat der Präsident weder mehr Grenzpolizisten eingesetzt noch die Mauer fertiggestellt. Der Rückgang ist auf eine andere Strategie zurückzuführen: eine Mischung aus harter Rhetorik, strengen Regeländerungen und einer Atmosphäre der Angst.
In Texas, unweit der mexikanischen Grenze, spürt Farmer John Sewell den Unterschied deutlich, wie er der Welt berichtet. Über Jahre hinweg strömten Migranten über sein Land, zerstörten Zäune, hinterließen Kleidung und Müll. Manche starben in der Hitze. „Es war nicht mehr auszuhalten“, erzählt der 59-jährige Landwirt in einem Bericht der Zeitung. Heute dagegen sei es ruhig, nur wenige Gruppen seien noch durchgekommen. „Ich habe mein Leben wieder zurück.“
Auch Martin Cuellar, Sheriff des Webb County mit der Grenzstadt Laredo, bestätigt den Wandel. Früher hätten seine Polizisten täglich Migranten aufgegriffen, heute sei es die Ausnahme. „Der Unterschied ist wie Tag und Nacht“, sagt er. Dabei sei die Ausstattung seiner Behörde unverändert. Der entscheidende Faktor sei Trumps Wahlsieg – die Botschaft, dass eine illegale Einreise zwecklos sei, habe sich herumgesprochen.
Trump hat eine Atmosphäre der Angst geschaffen
Für Migranten ist selbst der legale Weg nahezu verschlossen. Schon unter Joe Biden war ein Asylantrag nur noch nach Terminbuchung per App möglich. Diese Funktion hat Trump nach Amtsantritt abgeschaltet. „De facto gibt es seitdem keinen Weg mehr, Asyl zu beantragen“, sagt Colleen Putzel-Kavanaugh vom Migration Policy Institute. In Laredo steht Pastor Michael Smith vor leeren Hallen. Noch im Vorjahr betreute er über 100.000 Migranten. Heute summen nur die Neonröhren über den leeren Pritschen. „Trump hat eine Atmosphäre der Angst geschaffen“, meint er.
Diese Angst entsteht nicht zuletzt durch Razzien der Einwanderungsbehörde ICE, die Migranten am Arbeitsplatz oder sogar in Schulen festnimmt. Im Juni kam es in Los Angeles deshalb zu schweren Ausschreitungen. Trump entsandte die Nationalgarde, trotz Protesten des Gouverneurs. Zwar versprach er Landwirten, weniger Kontrollen auf deren Feldern, doch grundsätzlich bleibt die Linie hart. „Wir müssen eine Botschaft senden, dass es nicht okay ist, hier illegal zu sein“, betonte Grenzbeauftragter Tom Homan.
Today, DHS made its 5,000th arrest in Los Angeles. 5,000 criminal illegal aliens, gang members, child predators, and murderers taken off the streets.
This is just the beginning.
Thank you, @CBP, Border Patrol, and @ICEgov. pic.twitter.com/djnK4b9td1
— Homeland Security (@DHSgov) August 27, 2025
Neu ist auch ein Programm zur „Selbstabschiebung“. Über eine App können sich Migranten melden, erhalten ein Flugticket, Transfer zum Flughafen und 1000 Dollar „Exit-Bonus“. Das Heimatschutzministerium wirbt in TV-Spots mit Bildern glücklicher Familien, die heimkehren. Laut dem Magazin „The Atlantic“ haben sich bis Mitte Juni bereits 3000 Menschen auf diese Weise selbst abgeschoben.
Pastor Smith begleitet an diesem Tag eine Familie aus Venezuela. Obwohl ihr Asylverfahren noch läuft und sie legal im Land sind, wollen Hanni und ihr Mann Junior mit ihren vier Kindern freiwillig ausreisen. „Wir hatten Glück, bei einer Razzia nicht festgenommen zu werden“, erzählt die 32-jährige Migrantin. Die Angst, getrennt zu werden, sei ausschlaggebend. „Das Schlimmste wäre, dass sie uns die Kinder wegnehmen.“ Der Traum von einem neuen Leben in den USA sei damit zerplatzt.
Foto: REUTERS/Evelyn Hockstein
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