Nachruf auf Erich von Däniken

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Ein Getriebener ist aufgebrochen zur nächsten Reise
Seine Thesen über Ausserirdische begeisterten und befremdeten. Gerade darin mag Erich von Dänikens Erfolgsrezept als meistgelesener irdischer Sachbuchautor gelegen haben.
- Erich von Däniken verkaufte weltweit über 75 Millionen Bücher zu Ausserirdischen und ausserirdischen Einflüssen.
- Trotz wissenschaftlicher Kritik blieb er überzeugt vom baldigen Fund einer ausserirdischen Hinterlassenschaft.
- Nach seiner Hotellerie-Karriere widmete er sich jahrzehntelang Forschungsreisen auf fünf Kontinenten.
«Ich erinnere mich!» So reagierte Erich von Däniken, angesprochen auf das «Goldene Brett vorm Kopf» im Dezember 2024. Es ging um eine österreichische Skeptiker-Organisation, die ihn 2012 mit dieser «Auszeichnung» für sein Lebenswerk «geehrt» hatte.
Was ihm bei dieser «Ehrung» durch den Kopf gehe, war die Frage an ihn. «Hätte ich an jenem Abend nicht einen Vortrag gehabt, wäre ich persönlich hingegangen», antwortete von Däniken, ohne zu zögern: «Ehrlich, diese Auszeichnung hat mich stolz gemacht.» Wie bitte?
«Ich hätte mich für ihre Aufmerksamkeit bedankt und ihnen gesagt, dass die Zeit mir in wesentlichen Punkten recht geben wird», fuhr der damals 89-Jährige fort. «Und dass wir irgendwann alle ein Brett vorm Kopf haben – auch wenn es nur der Sargdeckel ist.»

Starallüren fehlten bei ihm, sein Humor war entwaffnend: Erich von Däniken während eines Interviews im Jahr 2023.
Foto: Raphael Moser
Dieser entwaffnende Humor, seine Fähigkeit, Komplexes einfach verständlich zu formulieren, seine Schlagfertigkeit und seine Zugänglichkeit ohne Starallüren waren zweifellos wichtige Zutaten, die entscheidend zur Beliebtheit und zum Welterfolg von Erich von Däniken beitrugen.
Über 75 Millionen Bücher soll er während seines bewegten Lebens weltweit verkauft haben, übersetzt wurden sie in Dutzende Sprachen. Genaue Zahlen existieren nicht. Gesichert ist: Von Däniken war der erfolgreichste Schweizer Buchautor und der meistverkaufte Sachbuchautor der Welt.
Erich von Dänikens Suche nach der «Zeitkapsel»
Was meinte er mit «die Zeit wird mir in wesentlichen Punkten recht geben»? Bis zu seinem Lebensende war von Däniken vom baldigen Fund einer Hinterlassenschaft überzeugt, die zweifelsfrei nicht von dieser Erde stammt. Ein Artefakt, den man der Wissenschaft als ultimativen Beweis für die Existenz von Ausserirdischen präsentieren könnte.
«Zeitkapsel» nennt man einen derartigen Gegenstand als Evidenz, dass Ausserirdische in der Vergangenheit die Erde nicht nur besuchten, sondern auch die irdischen Zivilisationen und damit die Menschheitsgeschichte beeinflusst haben.

Ausserirdische müssen auf der Erde ihre Spuren hinterlassen haben: Davon war Erich von Däniken fest überzeugt. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2003 im Mystery-Park.
Foto: Alessandro della Valle
Zeitlebens trieb ihn die Suche nach der «Zeitkapsel» an. Jahrzehntelang bereiste der Getriebene fünf Kontinente, forschte, recherchierte, rang. Und schrieb. Seine Forschungen, Thesen und in populärwissenschaftlicher Form niedergeschriebenen Erkenntnisse machten ihn indessen nicht nur zum erfolgreichsten Sachbuchautor.
Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren wurde Erich von Däniken in vielen Medien – er würde «im Mainstream» sagen – auch lächerlich gemacht. Dazu gaben zweifellos Neid und Missgunst Anlass. Aber auch die berechtigte wissenschaftliche Hinterfragung seiner Thesen.
Denn von Däniken führte zwar einerseits seine Untersuchungen und ausgedehnten Forschungsreisen in eigener Sache mit akribisch geplanter Genauigkeit durch. Andererseits war er ein begnadeter Erzähler und Entertainer mit blühender Fantasie, der es nicht immer ganz genau nahm und seine Thesen teilweise auch in Romanform verpackte.
Hotelier und Ausserirdischenforscher
Erich Anton Paul von Däniken kam am 14. April 1935 in Zofingen AG zur Welt, als viertes Kind des Kleiderfabrikanten Otto von Däniken und von dessen Frau Lena. 1941 zogen die von Dänikens vom solothurnischen Niedererlinsbach nach Schaffhausen.
Dort erlebte Erich als Kind den Zweiten Weltkrieg hautnah, sah 1944, wie alliierte Bomben Teile des Grenzstädtchens ennet des Rheins in Schutt und Asche legten. Die Erziehung im Elternhaus war streng. 1949 schickte der Vater den 14-Jährigen ins Jesuiten-Internat Collège Saint-Michel in Freiburg.
Gerade die starren Dogmen des katholischen Kollegiums bestärkten die Zweifel und das Widerstreben im jungen Heranwachsenden. Mit 19 Jahren wandte er sich der Gastronomie zu. Im Hotel Schweizerhof in Bern fand er eine Lehrstelle. Mehr als 20 Jahre verfolgte von Däniken darauf eine berufliche Laufbahn in der Hotellerie.

Da war er bereits ein international bekannter Buchautor: Porträt von Erich von Däniken, damals war er 39 Jahre alt.
Foto: Keystone
Bald aber widmete er jede freie Minute den Fragen, die ihn seit jeher drängten: Gibt es Ausserirdische? Wo leben sie? Haben sie uns besucht? Vor Jahrtausenden schon? Und wie haben es die E.T.s geschafft, die gewaltigen Distanzen im All zu überwinden?
Seine erste Reise zu den Pyramiden von Ägypten unternahm er schon mit 20. Er sollte in der Folge für Forschungsreisen Millionen Kilometer zurücklegen. Während mehr als 60 Jahren seines Lebens trug er mit rastlosem Forscherfeuer und mit Akribie Puzzleteile für seine Thesen zusammen.
Er glaubte daran, dass Ausserirdische Spuren hinterliessen
Das Gesamtbild des Puzzles war für ihn zweifelsfrei: Ausserirdische haben die Erde wieder und wieder besucht. Und dabei ihre Spuren hinterlassen. In unserer Zivilisation, Geschichte, ja sogar in unserer DNA. Hierzu veröffentlichte er 1968 ein Buch. Schlagartig wurde sein Erstling mit dem provokanten Titel «Erinnerungen an die Zukunft» zum Welterfolg.

Erich von Däniken schaut sich mit seiner Frau Elisabeth im Jahr 1972 Fotos einer langen Reise nach Brasilien, Ecuador, Neuseeland und China an.
Foto: Keystone
Bestärkt durch den Weltbestseller schrieb er in der Folge zeitweise im Jahrestakt neue Bücher. Mit dem Erfolg wuchsen auch Widerstand und Kritik. Akademische Kreise nahmen ihn zumeist nicht ernst. Presseartikel machten auf Ungereimtheiten aufmerksam, zielten aber oft auch auf die Person Erich von Däniken und nicht selten unter die Gürtellinie.
Er liess sich nicht von seinem Weg abbringen. Auch nicht durch eine lange Haft Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre. 666 Tage sass er im Gefängnis, wegen angeblicher Hinterziehung von Kurtaxen in der Höhe von 8000 Franken als Hotelier im Bündnerland. Ein juristischer Skandal. 1982 beschloss das Bündner Kantonsgericht die Aufhebung des Urteils und rehabilitierte ihn.
Immer wieder musste Erich von Däniken, ab 1960 verheiratet mit Elisabeth von Däniken-Skaja und Vater einer Tochter, persönliche und berufliche Tiefschläge hinnehmen. Dazu gehörte der 2003 eröffnete Mystery-Park bei Interlaken, in welchen er «sehr, sehr viel Arbeit und Herzblut» steckte sowie 800’000 Franken aus eigenen Mitteln.

Da lief alles noch wie am Schnürchen: Im Juli 2003 – zwei Monate nach der Eröffnung – präsentierte Erich von Däniken vom Helikopter aus stolz «seinen» Mystery-Park. Das Publikumsaufkommen war damals wesentlich höher als erwartet.
Foto: Karl Heinz Hug (Keystone)
Der «Ort der Fragen, nicht der Rechthaberei», der in sieben Pavillons von Dänikens Themen präsentierte, war nur im ersten Jahr erfolgreich. Danach brachen die Besucherzahlen dramatisch ein. Im Herbst 2006 hiess es «Lichter löschen». Zu wenig überzeugend waren unter anderem Technik und Animation, zu hoch die Eintrittspreise.
In seinem Büro in Unterseen war er bis ins hohe Alter anzutreffen
Danach wurde es etwas stiller um Erich von Däniken, der seit 1995 in Beatenberg im Berner Oberland wohnte. Doch weiterhin schrieb er fast jährlich ein neues Buch. Ab 2006 publizierte er im umstrittenen Kopp-Verlag.
Daneben war er stark beschäftigt mit Vortragstourneen, begleiteten Reisen, TV- und Filmproduktionen. Selbst 2023, mit 88 Jahren, trat er in den USA, wo seine unterhaltsame Infotainment-Erzählweise stets besonders beliebt gewesen war, noch vor grossem Publikum auf.
Dann liess seine zuvor schier unerschöpflich wirkende Energie allmählich nach. 2024 trat er kürzer, war aber noch regelmässig in seinem Büro in Unterseen anzutreffen. Bis er Ende Jahr ernsthaft erkrankte und für 2025, das Jahr seines 90. Geburtstags, alle Tourneen absagen musste.

Sein letzter öffentlicher Auftritt: Erich von Däniken am 1. November 2025 während eines Anlasses im ehemaligen Mystery-Park.
Foto: Hans Peter Roth
Nun ist Erich von Däniken am 10. Januar 2026 nach längerer Krankheit aufgebrochen zur nächsten Reise, wie er es mit eigenen Worten wohl ausdrücken würde. Sein langjähriger Mitarbeiter Ramon Zürcher wird seinen Nachlass verwalten und die Forschungsarbeit im eigenen Stil weiterführen.
Erich von Däniken – 14.04.1935 ∗10.01.2026
Mit großer Trauer und Betroffenheit müssen wir bekannt geben, dass EvD am 10. Januar 2026 verstorben ist.
Wenn Sie ihn und sein Lebenswerk mit einer Bekundung ehren möchten, können Sie dies auf der Homepage:https://t.co/LzzMSwq2fM tun pic.twitter.com/laSz1PGjdh— Erich von Däniken (@vonDaeniken) January 11, 2026
Angst vor dem Tod war für Erich von Däniken kein Thema. Gefragt nach einem möglichen Leben nach dem Diesseits, antwortete er Ende 2024: «Ich bin gespannt auf die nächste Runde, wohin die Reise geht und welche Abenteuer auf mich warten.»
Und was würde Erich von Däniken im Nachruf über sich selbst schreiben? «Er hat sein Bestes versucht, den Zeitgeist zu verändern.
ℹ️ Dieser Beitrag stammt ursprünglich von bernerzeitung.ch

